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Bild im Shop ansehenFotografie in der Natur: Es geht um viel mehr als nur um das Foto.
1.237 mal gesehen | 19. Februar 2021 | Stefan Gerlach | Blog | Naturfotografie

Fotografie in der Natur: Es geht um viel mehr als nur um das Foto.



Seit 2009 fotografiere ich. Seit 2014 auch relativ intensiv Landschaften. Zwischenzeitlich, wie auch zur Zeit, viel Wildlife. Was bringt mir die Zeit in der Natur, neben hin und wieder tollen Bildern? Diese Frage möchte ich heute etwas ausführlicher beantworten. Denn es steckt oft viel mehr drin, als man wahrscheinlich vermutet.

Früher, also zu Beginn meiner fotografischen Laufbahn, habe ich einfach alles fotografiert, was mir in die Quere kam. Den Holzpfahl mit Sonnenuntergang, die Kühe auf der Weide im Sonnenaufgang, dem Teich um die Ecke und und und. Das hatte seine Vor- und seine Nachteile. Die Vorteile: Ich lernte das Fotografieren in der täglichen Praxis relativ zügig, da ich sehr viel fotografiert habe. Ich konnte die Zeit in der Natur wirklich genießen und durch den Drang Fotos machen zu wollen, habe ich mich auch zu schwierigen Zeiten und unmöglichen Temperaturen aus dem Bett gewagt. Der Nachteil: Die Fotos waren einfach scheiße. Ich habe mir nicht so viel Gedanken gemacht, sondern ausschließlich fotografiert. Das sieht heute ganz anders aus.

Heute fotografiere ich mit Plan und Ziel.

Wenn ich heute Landschaften fotografiere ist mein Ablauf meist strukturiert und klar. Spontan los, mal eben vor die Haustür ein Windrad im Abendlicht fotografieren ist eher die Seltenheit und dient dann meist dazu, mal eben noch ein paar Schritte an der frischen Luft zu gehen.

Oft plane ich die Touren aber ausführlich (so plane ich meine Foto-Touren), weiß vorher genau, was ich fotografieren möchte, wie ich da hin komme und wie dann dort vor Ort die Sonne steht. Ich weiß genau wie das Wetter wird, ob es viele oder weniger viele Wolken gibt (sofern mich dich Wettervorhersage nicht wieder mal vera....) und von wo der Wind kommt. Das ist für ein Zielfoto, also ein Foto, welches du vorher schon im Kopf hast, wirklich wichtig. Problem dabei ist nur, dass die Landschaftsfotografie dann für mich rein gar nichts mehr mit Erholung, Natur genießen und "rauskommen" zu tun hat. Es fühlt sich dann an wie ein Job. Zumindest alles drum herum. Der Moment in dem das Foto entsteht, in dem man zum Beispiel am Meer den Sonnenuntergang zusehen kann, den genieße ich dann natürlich schon sehr. Allerdings steckt hinter diesem Moment und dem einen Foto dann ein ganzer Apparat an Arbeit, denn diese Vorbereitungen, die Fahrt und zum Foto Spot laufen, dauern bei mir in seltenen Fällen auch mal 6 Stunden und mehr. Und das für den einen Moment Sonnenuntergang und ein Foto. Da ist nicht viel Zeit für Erholung, aber trotzdem genieße ich es an der Luft zu sein, die Natur zu erleben und hin und wieder auch (in Deutschland, manchmal sogar um die Ecke) Plätze zu sehen, die mir vorher nicht bekannt waren. Durch mein breites Spektrum, also die Landschaftsfotografie, die Wildlife-Fotografie, aber auch ab und an Makro-bzw. Detailfotografie wird es eher selten langweilig. Wenn dem aber so ist, gehe ich auch mal einige Wochen oder länger nicht fotografieren. Zuletzt war das 2019 sehr stark der Fall, was aber auch mit vielen Änderungen im Job und so weiter zu tun hatte. Ich schweife ab. Zurück zum Thema...

Mein Landschaftsfotografie Stil verändert sich. Ich habe vor 5 Jahren noch alles geliebt, was krasse Farben hatte und habe diese auch gerne in der Bearbeitung ausgereizt, nicht bis zum Anschlag, aber immer noch ein wenig mehr als es vor Ort war. Realitätsnah, aber nicht realistisch. Das ist auch nicht schlimm. Jeder wie er es mag, denke ich. Heute ist mein Stil aber eher das Gegenteil. Ich würde meinen derzeitigen Bild Stil wie folgt beschreiben: Minimalistisch strukturiert. Ich mag Strukturen im Bild, ich mag führende Linien und die Drittel-Regel oder den Goldenen Schnitt. Ich mag heute mit dem 35mm Landschaften aus Bodennaher Perspektive fotografieren, früher noch alles mit 10-18mm auf Hüfthöhe. Ich bin schon wirklich viel Fotograf in der Hinsicht. Aber eigentlich gibt mir der Aufenthalt in der Natur, vor allem bei der Wildlife-Fotografie viel viel mehr, als es ein Bild je könnte. Nehmen wir das Beispiel mit meiner fotografischen Begleitung der Jungfüchse. Davon habe ich 3 Bilder veröffentlicht. Ich habe mit den Tieren aber mehr als 2 Wochen verbracht, habe mich darauf vorbereitet teilweise mehrfach am Tage hinzufahren um zu beobachten, bin in Lektüren versunken und habe wochenlang mein Wissen über Füchse aufgefrischt (da ich eh Fuchsfan bin, war ich schon recht gut informiert, aber mehr geht immer).

Wie Eingangs beschrieben wird die Landschaftsfotografie schnell zum Job und macht dann weniger Spaß, weil mein Ansatz damals wirklich der war, mehr an der frischen Luft zu sein und die Natur zu genießen. Daher brauche ich Veränderungen. Ich liebe Veränderungen. Nichts ist für mich schlimmer als Konstante. Nicht falsch verstehen, ich habe Konstanz in meinem Leben. Meine Familie und meinen Job. Dann muss ich nicht in der Fotografie (also der Fotografie in meiner Freizeit) auch noch ständig das Gleiche machen. Darum fotografiere ich zeitweise viel Wildlife, steigere mich in dieser Phase auch sehr hinein um dann, ebenfalls wie bei den Fuchsbegegnungen, danach auch mal Monate nichts mehr damit zu tun zu haben. Viele nennen das Sprunghaft. Ich nenne das kreativ, sich weiter entwickeln und lernen. Ich nenne das leben.

Jungfuchs im Raps Mai 2020

Naturfotografie. Fotografie freilebender Tiere.

Da ich in meinem Job fast nur am PC sitze, ist die Natur- und Landschaftsfotografie für mich das perfekte Ventil. Dazu mal ein paar Informationen, was ich zur Zeit mache und was es mir gibt. Vor ca. 6 Wochen habe ich bei einer meiner Fototouren eine seltene Begegnung gehabt. Ich habe einen Wolf gesehen. Naaaa. Ob das wohl stimmt, wird der ein oder andere denken. Und das darfst du auch. Aber ebenso wie bei den Füchsen habe ich mich damals sehr viel mit dem Wolf auseinandergesetzt, habe Bücher gelesen, Dokumentationen geschaut, Recherchiert und viele Informationen aufgesaugt. Neben der Erkenntnis, dass dieses Tier sehr spannend und intelligent ist, kam auch die Erkenntnis, dass wir gar nicht so weit weg von nachgewiesenen Wolfssichtungen leben. Das war vor etwas über einem Jahr. Seit dem bin ich viel in der Gegend unterwegs, wo der Wolf gesichtet wurde. Tatsächlich aber nicht wegen des Wolfs, sondern weil dort auch ein schönes Waldstück ist, in dem ich gerne unterwegs bin. Als ich nun eben vor 6 Wochen die Landstraße entlang fahre, läuft ein Wolf vor mir über die Straße. Obwohl läuft.. nein, trabt. Ganz entspannt überquerte er die Straße von einem in das andere Waldstück in Richtung Norden. Ich war total überwältigt. Überfordert trifft es wohl noch eher. Als ich später mit dem Wolfsbeauftragten telefonierte, schilderte ich ihm die Begegnung und war mir nicht mehr sicher, wie weit er von mir entfernt war, wie groß er war und wo genau er welche Farben hatte. Aber die Begegnung, bzw. die Sichtung dauerte auch nur 3-5 Sekunden. Im Anschluss fuhr ich langsam rechts an den Straßenrand griff zu meiner Kamera und machte auf Verdacht ein paar Bilder in den Wald hinein. Leider habe ich ihn weder auf den Fotos noch kurze Zeit später nach dem Aussteigen sehen können. Eine kurze, aber sehr intensive Sichtung für mich persönlich. Für jemanden der sich dafür interessiert sind solche Begegnungen mit einem Fuchs, oder gar einem Wolf wirklich kaum zu beschreiben.

Natürlich bin ich seit diesem Tag so oft wie nur möglich in der Gegend, habe immer mein Smartphone in der Halterung im Auto auf Videomodus (Dashcam) und laufe in der Gegend umher. Und natürlich gab es seit dem weder einen Hinweis noch eine weitere Sichtung und vielleicht wird es auch mein Leben lang bei dieser einen bleiben. Denn es gibt so wenige Wölfe in Deutschland (laut Bundesamt für Naturschutz zum Ende 2020 - 128 Wolfsrudel), dass die Wahrscheinlichkeit nicht sonderlich hoch ist, überhaupt einen zu sehen. Aber ein zweites Mal? Wohl eher nicht. Leider.

Fuchs und Wolf haben es mir angetan

Für mich sind diese beiden Wildtiere in Deutschland auch wirklich die interessantesten. Warum? Kann ich nicht mal so genau sagen. Füchse fand ich schon immer toll und Wölfe sind es sicher aus verschiedenen Gründen: Zum einen die Seltenheit. Was selten ist, ist Besonders und zum anderen weil ich kein Fan von Haustieren bin und für mich ist der Wolf der Inbegriff eines Wildtieres, also genau das Gegenteil vom Haustier. Das sind zwar der Luchs und die Wildkatze auch, aber zum einen leben diese nicht bei uns im Norden und zum anderen interessieren mich eher die hundeartigen als die Katzen.

Der Wolf: natürlicher Ursprung des Haushundes.

Zitat: "Ja, der Haushund stammt vom Grauwolf (Canis lupus) ab - er stellt die Haustierform des Wolfes dar. Dies wird eindeutig durch genetische Untersuchungen belegt… ...Möglicherweise jagten beide (Mensch und Wolf) kooperativ und teilten sich die Beute. Auf diese Weise kamen sich Wolf und Mensch immer näher und teilten schließlich auch den Platz am Feuer und im Haus."

Quelle: DBBW - Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf

Im Übrigen: Bereits 2017 habe ich in der Nacht vor unserem Haus einen "Wolf" die Straße lang traben sehen. Tagelang ging mir diese Sichtung nicht mehr aus dem Kopf. Denn in unserer damaligen Wohnsiedlung gab es keinen Schäferhund, oder einen anderen Hund, der eine ähnliche Statur wie ein Wolf hat. Und warum sollte so einer durch unserer Straße traben? Aber ich konnte es nicht sagen, es war dunkel. Es hätte vieles sein können, nur kurz konnte ich das Tier im Aussenlicht unseres Hauses wirklich sehen. Aber bei der Begegnung vor 6 Wochen besteht kein Zweifel. Das war ein Wolf.

Neben dieser Sichtung, der Tatsache, dass ich viel Zeit investiere um dort vor Ort unterwegs zu sein, schaue ich auch immer mal wieder zur Gegend der damaligen Fuchs Beobachtung und habe an einem weiteren Bau mit Dachsspuren aktuell noch eine Wildkamera hängen.

Mich fasziniert die Begegnung mit Tieren, die soweit möglich, noch in ihrer natürlichen Umgebung unterwegs sind und sich entsprechend natürlich verhalten. Hierbei schalte ich ab, mache endlich den Kopf aus und lebe im hier und jetzt. Das war auch damals bei der Landschaftsfotografie so und das wird es sicher auch wieder werden.

Zugeschneiter und gefrorener See mit Tierspuren

Fazit: du siehst also, es geht nicht so sehr ausschließlich um ein Foto, es geht vor allem nicht um Instagram oder sonstige Formen von Anerkennung, sondern vielmehr um das große Ganze. Um die Erholung, um das Abschalten und um die Zeit in unserer Natur. Das letzte Bild zum Beispiel mag für dich nur ein Bild sein. Für mich ist das Bild der Winter, der kalte Morgen im Nebel, die Sichtweite gefühlt unter 10 Meter, die Geräuschkulisse der Tiere, die in Ihren Tag starten. Für mich ist dieses Bild so viel mehr als nur ein Foto.



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