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Kann ein Knipser die gleichen Bilder machen wie ein Profi?
1.211 mal gesehen | Aktualisiert: 13. April 2024 | Stefan Gerlach | Blog | Allgemein

Kann ein Knipser die gleichen Bilder machen wie ein Profi?



Ich kann nicht mehr zählen wie oft ich schon gehört habe: "mit deiner Kamera würde ich auch so schöne Bilder machen" oder "mit der Ausrüstung die du hast, ist es ja auch nicht schwer gute Fotos zu machen".

Und obwohl ich mir immer den Mund fusselig geredet habe, dass die Kamera zwar das Bild macht, aber der Mensch hinter der Kamera dafür sorgt, dass die Kamera das so tut, wie sie soll, konnte ich nie überzeugen. Und so blieb am Ende immer stehen: Aber bessere Bilder mache ich damit ja auf jeden Fall...

Irgendwann habe ich mir gedacht, machen wir doch einfach mal den Test. Du bekommst mein Equipment und wir machen beide ein Foto an einer bestimmten Location. Danach schauen wir mal, ob ich recht hatte, oder all die, die meinten das sie das mit meiner Kamera auch könnten.

Gesagt, getan. Am Schaalsee gab ich einer Person die nichts mit der Fotografie am Hut hat (außer mit dem Smartphone knipsen) meine Kamera in die Hand und ließ sie fotografieren. Ich tat das selbige und war schon gespannt, welche Ergebnisse dabei rum kommen würden.

Abends am Schaalsee in Zarrentin
Abends am Schaalsee in Zarrentin Foto von Stefan Gerlach

Foto vom Profi

Beginnen wir mit dem Bild von mir. Das Foto wurde in RAW gemacht und später in Lightroom entwickelt. Zudem ist das Bild eine Zusammensetzung einer Belichtungsreihe um alle Bereiche im Bild mit abbilden zu können. Die Farben spiegeln das gesehene an diesem Abend wieder, der Horizont ist gerade, der Bildausschnitt stimmig, Fokus und Schärfe sitzen. Das ist der Maßstab, an dem sich nun der "Knipser" messen lassen muss.

Abends am Schaalsee in Zarrentin
Abends am Schaalsee in Zarrentin Foto vom Knipser

Foto vom Knipser

Gut gemacht: Dieses Foto wurde nun von jemandem gemacht, der keinen Bezug zur Fotografie hat. Und ich finde, dass man das sofort sieht. Doch beginnen wir mit den positiven Punkten.

Der Bildausschnitt ist gut gewählt (ich hätte/habe ihn anders gewählt, aber das macht diesen ja nicht schlecht). Die Belichtung sitzt auf dem Vordergrund, alles ist gut erkennbar und auch scharf. Der Hintergrund ist eher unscharf, aber nicht so richtig.

Das ist Geschmackssache, daher zähle ich das zu positiv. Hier gilt es in meinen Augen einfach, entweder ganz oder gar nicht. Also entweder ich möchte die Bildunschärfe als Stilmittel nutzen, oder ich muss das gesamte Bild durchgehend scharf gestalten. Hier ist das nichts Halbes und nichts Ganzes.

Nicht so gut gemacht: Nun zu den Punkten, die nicht gut gelöst wurden.

Mein Lieblingspunkt: Der Horizont. Klar, man kann auch mal etwas daneben liegen mit dem geraden Horizont. Aber so wie hier erlebe ich das ganz häufig und das verstehe ich nicht.

Kameras haben eine Wasserwage integriert und selbst ohne diese, sollte das Bild schon noch etwas gerader hinzubekommen sein. Der zweite Punkt (hier wird es etwas schwieriger) ist die Belichtung. Viele werden das kennen, der Vordergrund ist gut belichtet, der Himmel brennt aus.

Und ohne Hilfsmittel ist das auch nicht anders machbar. Die Kamera kann nur einen Bereich korrekt belichten. Hintergrund oder Vordergrund, du musst dich entscheiden. Zu den Hilfsmittel, folgende 3 Möglichkeiten hat man, um es besser zu machen.

1. die Mitte finden und es im Nachhinein in der Entwicklung anpassen.

Mein absoluter Favorit, weil es einfach ist und schnell gemacht. So mache ich auch heute noch einen Hauptteil meiner Bilder so. Du belichtest einfach auf den Vordergrund korrekt und gehst dann ein paar Blenden runter. So belichtest du zwar unter, aber ohne die Bereiche komplett absaufen zu lassen.

Und beim Himmel passiert das Gegenteil. Du belichtest (je nach Situation) zwar über, aber ohne die Bereiche ganz ausfressen zu lassen. Im Anschluss gehst du in der Entwicklung an die Regler Lichter und Tiefen und ziehst diese entsprechend um die Bereiche wieder in dein Bild zu holen.

2. einen Verlaufsfilter an der Kamera nutzen.

Einfach Verlaufsfilter filtert wie der Name sagt, im Verlauf die hellen Bereiche etwas raus. Schlicht: er macht sie dunkler. Dadurch kann man auf den Vordergrund belichten und den Himmel im Verlauf eben abdunkeln. Diese Variante nutze ich seit 5 Jahren nicht mehr.

Verlaufsfilter sind teuer, wenn Sie gut sein sollen. Mir ist das zu viel Arbeit beim fotografieren und nicht immer passen sie, da der Verlauf in unserem Beispiel auch über das Haus gehen würde, dann muss ich in der Entwicklung wieder nacharbeiten.

3. eine Belichtungsreihe machen und zusammensetzen.

Wie du vielleicht schon mitbekommen hast, ist das im Moment der Bereich mit dem ich viel experimentiere. Ich muss noch den richtigen Workflow finden, damit das spätere Zusammensetzen zwischen all der vielen Bilder nicht so mühsam ist, aber ansonsten mag ich diese Variante auch. Sie ist schnell erklärt.

Du machst ein Bild mit der korrekten Belichtung, eines über- und eines unterbelichtet. Im Anschluss setzt du diese drei Bilder zusammen und hast so im optimalen Fall alle Bereiche korrekt belichtet.

Kamera an dem Steg Abends am Schaalsee in Zarrentin
Kamera an dem Steg Abends am Schaalsee in Zarrentin

Fazit: Knipser vs. Profi.

Was ist nun mein Fazit dieser Challenge? Eigentlich ist genau das raus gekommen, was ich immer predige und was auch ganz normal ist. Ich befasse mich seit über 10 Jahren mit der Fotografie. Wenn man sich nun gar nicht damit beschäftigt oder nur ganz wenig, kann man nicht die gleichen Ergebnisse erwarten oder erzielen.

Das ist doch logisch. Und es zeigt auch, dass viele die anschließende Entwicklung unterschätzen. Vieles passiert auch erst da und nicht schon beim Fotografieren, ganz genau wie früher nur eben digital. Also, mein Fazit: Ein Knipser kann mit der Kamera vom Profi nicht die selben Ergebnisse erzielen, aber er kann es lernen - fotografieren lernen.



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