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Bild im Shop ansehenVon der Bildidee bis zum fertigen Bild. So plane ich meine Foto Tour.
1.374 mal gesehen | Aktualisiert: 05. April 2024 | Stefan Gerlach | Blog | Landschaftsfotografie

Von der Bildidee bis zum fertigen Bild. So plane ich meine Foto Tour.



Als Ergebnis siehst du immer nur ein oder mehrere Bilder. Doch wie entsteht die Idee, wie plane ich meine Touren und wie viel Aufwand ist das eigentlich? Genau darum soll es heute gehen. Von meiner letzten Tour habe ich lediglich ein fertiges Bild mitgebracht, das siehst du oben.

Weitere Bilder sind zwar entstanden, sind aber entweder zu ähnlich oder für mich und meine Ansprüche als Landschaftsfotograf nicht gut genug. Wichtig ist, ich habe das Bild, was ich vorher im Kopf hatte. Und genau da beginnt alles.

Die Bildidee und Recherche

Ich saß gestern Abend auf der Couch und habe mir überlegt noch mal an einer anderen Stelle am Schaalsee zu fotografieren. Der See hat viele schöne Plätze und ich war bereits bei Zarrentin auf beiden Seiten, sogar mehrmals. Nun wollte ich noch mal von woanders an den See. Ich nahm mir also mein Smartphone und checkte als erstes die Wettervorhersage für den nächsten Morgen. Denn wenn es hier schon nicht passt, brauche ich für den nächsten Tag ja nicht zu planen. Wetter passt, also öffne ich Google Maps und suche die Gegend um den See herum ab. Wenn ich ein Bootshaus, einen Steg, oder sonstige interessante Sachen finde, zoome ich rein und schaue genau, ob es für jedermann zugänglich ist. Wenn das sichergestellt ist, markiere ich den Standort und lasse mir hier entstandene Bilder anzeigen. Hier kann ich nämlich schon mal schauen, was dort so alles vorhanden ist, worauf ich eventuell achten muss und aus welchen Perspektiven es hier Sinn macht zu fotografieren.

Fotograf Stefan Gerlach am See
Stefan Gerlach entspannt am Schaalsee

Sonnenaufgang und Sonnenstand vor Ort

Habe ich meine Position von der ich fotografieren möchte gefunden, gehe ich zum nächsten Schritt. Ich schaue nach dem Sonnenverlauf, bzw. dem Sonnenstand an diesem Ort. Meine Bildidee hier war, den See, den Wald am Horizont und natürlich das Bootshaus mit in das Bild zu bekommen. Also wusste ich ganz genau, aus welchem Winkel und in welche Richtung ich fotografiere. Die Sonne würde hier rechts vom Bild stehen (also nicht mehr im Bild zu sehen sein), daher entschied ich mich hier vor Sonnenaufgang zu fotografieren. Also die bunten Farben mitzunehmen, dafür aber auf die Sonne im Bild zu verzichten. Trotzdem muss ich genau wissen, wann die Sonne aufgeht, Google hilft.

Zeit kalkulieren und Tour planen

Ich habe nun meine Bildidee und weiß, wann wo die Sonne steht. Für mich bedeutet das in diesen Fall: Ich muss 30 Minuten vor Sonnenaufgang vor Ort sein. Also gehe ich wieder bei Google Maps rein, plane die Route und lasse mir die Zeit anzeigen. In diesem Fall ca. 30 Minuten. Eine halbe Stunde Fahrt (plus/minus einplanen), vor Ort muss ich nicht lange gehen und die Sonne geht um 7.20 Uhr auf. 30 Minuten vorher da sein macht 6:50 Uhr, das plus/minus mit reinnehmen würde ich um 6, kurz nach 6.00 Uhr los. Also um 5.00 Uhr aufstehen.

Tasche packen, Hinfahrt und fotografieren vor Ort

Normaler Weise sind meine Kameras, meine Objektive und alles was dazugehört immer sauber, Akkus geladen und das wichtigste bereits in der Tasche verstaut. Heute Früh habe ich noch zwei zusätzliche Objektive für alle Fälle mit eingepackt, dann ging es auch schon los. Alles was ich wirklich vor Ort brauche ist folgendes: Kamera, Objektiv, Speicherkarte, Stativ. Alles weitere habe ich, wie in 99% der Fälle, nicht gebraucht. Vor Ort angekommen habe ich natürlich noch viel zu viel Zeit, aber das macht nichts. Ich mache zwischendurch ein paar Selfies und Fotos mit dem Smartphone. Lieber zu viel, als zu wenig Zeit. Ich mache nun meine Fotos. Ca. 30 Minuten lang immer wieder das gleiche Bild mit zeitlichen Abständen dazwischen. Ich möchte einfach genau meine Bildidee umsetzen und dafür die beste Wolkenkombination und die schönsten Farben am Himmel. Daher mache ich so viele gleiche Bilder.

Fotograf Stefan Gerlach mit dem Smartphone am See
Stefan Gerlach mit dem Smartphone am Schaalsee

Rückfahrt und Bildauswahl

Wie man auf dem Selfie am Steg sehen kann, zog es dann auch recht schnell zu. Meine Bilder hatte ich im Kasten und machte mich auf den Rückweg. Hier brach die Sonne noch ein paar mal durch und ich hielt unterwegs nochmal um ein paar andere Bilder zu machen. Wieder im Büro angekommen, gibt es zuerst einen Kaffee und die Bilder werden auf den PC überspielt. Danach importiere ich sie in Lightroom und wähle geeignete Bilder aus. Das dauert schon mal ein wenig, aber danach beginnt erst der wirkliche Spaß.

Bildbearbeitung und Fertigstellung der Bildidee

Du erinnerst dich? Ich hatte ja eine Bildidee. Dazu habe ich meine Fotos angefertigt und sie nun bereits in Lightroom grob ausgewählt. Das Auswählen, mag banal klingen, aber bei sehr vielen Bildern ist das echt mühsam und frisst richtig Zeit. Nun wähle ich meine Favoriten und bearbeite diese. Dieser Schritt ist der zeitintensivste. Danach ist das Bild fertiggestellt, ich exportiere es für die verschiedensten Kanäle und lade es hoch.

Was dauert wie lange?

  • Bildidee, Recherche, Tour planen = 2 Std.
  • Direkte Vorbereitung und Fahrt = 1 Std.
  • Fotografieren vor Ort = 1 Std.
  • Bildauswahl, Bildbearbeitung = 2 Std.



Zusammenfassung

Du siehst, in so einem Foto steckt jede Menge Zeit und Arbeit. Hier bei diesem Beispiel sind es 6 Stunden für ein Foto. Es gibt selbstverständlich auch Fälle, wo alles in 1 Std. erledigt ist. Aber auch Touren, die mal locker 10 Stunden beanspruchen. Ich hoffe du konntest ein wenig was mitnehmen aus diesem Artikel. Von der Bildidee bis zum fertigen Bild. So plane ich meine Foto Tour.



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