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Wir sind keine Kinder mehr - schade.
1.621 mal gesehen | 05. Mai 2016 | Stefan Gerlach | Blog | Allgemein

Wir sind keine Kinder mehr - schade.



Kinder sind frei, ohne sich den ganzen Tag Gedanken zu machen und bereits morgens mit Kopfschmerzen aufzustehen. Kinder besitzen noch die Leichtigkeit, die uns Erwachsenen fehlt. Auch sind Kinder offen gegenüber Ihren Mitmenschen und vor allem ehrlich und direkt. Alles Eigenschaften, die uns "Großen" leider immer mehr verloren gehen. Warum ich das schreibe, wo es doch eigentlich ein Blog über Fotografie ist? Weil ich Lust dazu habe. Einfach nicht lange darüber nachdenke, ob es hier rein passt oder nicht. Einfach mal wieder handeln, ohne Planung und Strategie.

Meine Tochter im Winter an der Ostsee auf dem Steg
Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.
Pablo Picasso

In den letzten Jahren hat sich mein Leben in vielen Bereichen stark verändert. Die vergangenen 8 Jahre sind irgendwie an mir vorbeigezogen. In diesen Jahren habe ich geheiratet, bin 3 Mal Vater geworden, habe ein Haus bezogen und mich selbstständig gemacht. Puhhh. Da habe ich bis heute noch nie so drüber nachgedacht. Schon irgendwie ein ganz schönes Brett. Heute bin ich 34 Jahre alt und leider oft überhaupt nicht mehr kindlich. Dabei ist eben das, auch mal Kind zu sein, extrem wichtig.

Plötzlich stehst du da und hast Verantwortung. Die Verantwortung für deine Kinder, den Druck der Selbstständigkeit und natürlich, weil alles damit verbunden ist, der Finanzen. Es geht rauf und runter. Während dieser Zeit bist du im Tunnel. Keine Zeit mehr. Nicht mal dafür, darüber nachzudenken wie jetzt. Alles rauscht an dir vorbei. Und irgendwann stellst du fest. Wir sind keine Kinder mehr - schade.

Meine Kinder mit der Tochter meines Cousins am See

Explizit ist damit gemeint, dass wir nicht mehr unbeschwert durch das Leben gehen. Wir machen uns Gedanken und Sorgen - oft den ganzen Tag. Natürlich sind wir in der Position, dies auch tun zu müssen, aber in welchem Ausmaß ist die Frage. Eine Sache des Gleichgewichts. Wenn ich mich frage, wann ist das letzte mal unbeschwert etwas genießen konnte, hmmm... Wen wundert es, es hat mit meinen Kindern zu tun. Das ist natürlich vor allem so, weil es MEINE Kinder sind, aber auch einfach weil es Kinder sind.

Die Kinder kennen weder Vergangenheit, noch Zukunft, und – was uns Erwachsenen kaum passieren kann – sie genießen die Gegenwart. - Jean de la Bruyère

Vor einigen Wochen habe ich mich in den Garten auf den Rasen gelegt und einfach in den Himmel geschaut. Wann hast Du das zum letzten Mal gemacht? Bei mir ist es davor sehr lang her gewesen. Denn mein Tagesablauf (selbstverschuldet) lässt es bei mir gar nicht zu. Nachdem Aufstehen und dem Gang in das Bad gibt es Kaffee und dank Home-Office geht die Arbeit los. Dabei spielt es keine Rolle, ob es 5:30 Uhr oder 7:00 Uhr ist. Nach dem Aufstehen geht es los. Das Ganze dann bis zum Mittag, eine kleine Pause (von 30. selten mal 60 Minuten, dann weiter. Gefrühstückt? Wird auch, mehr oder weniger. Aber in jedem Fall nebenher. Jeden Tag. Die Arbeit geht dann meist (99%) strikt bis 17:00 Uhr - 17:30 Uhr. Im Anschluss ein wenig Zeit mit den Kindern verbringen um dann Abends ab 19:30 Uhr noch mal bis um 21:00 Uhr zu arbeiten... Manchmal auch länger. Tagein, tagaus.

Und reich bin ich trotzdem nicht. Logisch also, es läuft irgendetwas falsch. Nicht zuletzt ein Grund dafür, dass ich diese Zeilen schreibe, direkt, nicht geplant oder vorgeschrieben - einfach raus. Meine drei Kinder zeigen mir immer wieder wie wichtig es ist, mal zu machen. Nicht lange darüber nachzudenken und zu überlegen, sondern einfach machen. Bitte sehr.

Jahrelang hatte ich nicht mal mehr ein Hobby (Früher Fussball, dann Musik) und habe dies Gott sei Dank in der Fotografie wieder gefunden. Doch was macht der selbstständige, ständig an Umsatz und Finanzen denkende Mann... Klar, er macht einen Job draus. Erst nur mit ein paar Bildern die man verkaufen kann, dann doch ein eigenes Shopsystem, einen Dienstleistungsbereich, eine Unternehmensseite für Koorperationen und so weiter... Jedes gemachte Foto muss auch immer sofort online, am besten auf allen Kanälen... Reizüberflutung. Aber nein, Stress habe ich nicht. Ich bin ein ganz entspannter.

Würde ich wie ein Kind denken, hätte ich ausschließlich den Spaß an meinem Hobby genossen und die Bilder vielleicht meiner Familie und meinen Freunden gezeigt. Aber: Wir sind keine Kinder mehr - schade.

In einem Großteil des Erwachsenensein geht es darum, dass die eigenen Kinder glücklich sind. Also dass sie ihren Hobbys und Aktivitäten nachgehen können, dass sie in den Urlaub fahren und es ihnen an nichts fehlt. Nur vergisst man dabei, dass man am meisten dazu beitragen kann, wenn man auch glücklich ist und für seine Kinder da sein kann. Daher steht für mich heute fest, ich muss etwas ändern.

Weniger Arbeit. Weniger ständige Erreichbarkeit. Weniger Projekte, die mir nichts bringen, außer ein paar Klicks. Weniger ich muss noch. Weniger aber wenn ich schon mal...

Ab sofort gilt:

  • Urlaub ist Urlaub, nicht Arbeit auf Sparflamme
  • Arbeitszeiten sind dazu da um sie einzuhalten, das andere nennt man Freizeit.
  • Neben meinem Job gibt es bis auf Weiteres keine Projekte mehr


Wir sind keine Kinder mehr - na und?

Das sollte uns nicht einschränken und veranlassen nur noch mit ernster Miene durch das Leben zu gehen. Auch Erwachsene sollten (wieder) in der Lage sein, mal die Seele baumeln zu lassen, oder das Kind in sich zu entdecken. In diesem Sinne, ich bin mal raus. In die Sandkiste oder so...

Mit meiner kleinsten beim Spielen


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