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Informationen für Naturfotografen.
2.261 mal gesehen | Aktualisiert: 18. April 2024 | Stefan Gerlach | Blog | Naturfotografie

Informationen für Naturfotografen.



Auch wenn ich sehr gerne fotografiere und schon auch für das Foto unterwegs bin, ist es für mich eher die Begegnung und das Erlebnis in der Natur, was den größeren Wert für mich hat.

Das bedeutet auch, ich halte mich sowohl an alle geltenden Regeln, wenn ich mich in der Natur aufhalte und respektiere vor allem die freilebenden Tiere. Naturfotografie ist viel mehr als nur ein Foto.

Wie verhalte ich mich als Fotograf in der Natur?

Grundsätzlich ganz einfach. Denn wenn du rational denken kannst, sollten die Regeln selbstverständlich sein, ohne dass sie irgendwo stehen. Aber du findest die Gesetze auch online.

Da diese von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind, google einfach selbst nach Waldgesetz und NSG-Gesetz. Ich schreibe dir im folgenden meine eigenen Regeln und Ansichten. Die muss man nicht mögen, kann man aber.

1. Verhalte dich ruhig.

Wenn du in der Natur unterwegs bist, ist es selbstverständlich, dass du nicht laut schreiend durch den Wald- oder ein Naturschutzgebiet rennst. Verhalte dich normal, unauffällig und leise. Das hat auch den Vorteil, dass du mehr von der Natur wahrnehmen kannst.

Für dich als Fotograf, wenn du freilebende Tiere fotografieren möchtest, ist es sogar unabdingbar. Denn alleine dein Gang in der Natur versetzt jedes Tier in Alarmbereitschaft. Deshalb sieht der normale Waldbesucher auch grundsätzlich kaum Tiere. Sie hören, sehen und riechen häufig viel viel besser als wir.

Vor allem Gehör- und Geruchssinn sind oft sehr gut ausgeprägt. Außerdem wirst du, wenn du ruhig und langsam unterwegs bist, eher “eins” mit der Natur.

2. Bleibe auf den Wegen.

Egal ob Naturschutzgebiet oder Wald. Ich würde dir raten, bleibe auf den Wegen. So gesehen, ist das im Wald nicht zwingend notwendig. Hier gibt es kein Gesetz (außer in SH von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang), was es dir verbietet, Wege zu verlassen. Allerdings darfst du auch nicht einfach quer durch den Wald laufen.

Da du einige Dinge beachten musst. Alle Infos findest du dazu im Waldgesetz. Daher rate ich dir, bleibe auf den Wegen. Im NSG ist dies allerdings auch ein Muss. Hier darfst du nur auf Wegen unterwegs sein. Gerade in Naturschutzgebieten geht es um den Schutz der Natur, wie der Name es schon vermuten lässt.

Gleich ob Pflanzen oder Tiere, das NSG dient zur Sicherung und Entwicklung der biologischen Vielfalt, das gilt es zu respektieren.

3. Verlasse die Natur so, wie du sie vorgefunden hast.

Schon beim Schreiben der Überschrift, denke ich: Das sollte man eigentlich nicht schreiben müssen. Es ist so klar, trotzdem finde ich immer wieder Müll in der Natur. Also: zerstöre nichts in der Natur und lasse keinen Müll liegen. Müll aufheben und mitnehmen darfst du, auch wenn du dann die Natur nicht so verlässt, wie du sie vorgefunden hast. :-)

4. Bitte nicht: Freilebende Tiere füttern.

Anfüttern für das Foto? Klingt verlockend und vor allem online findet man so ein Verhalten immer wieder dokumentiert. Ich kann da nur den Kopf schütteln. Wenn du wie ich, draußen bist um das natürliche Verhalten von Wildtieren zu beobachten und zu fotografieren, dann sollte das für dich in der Wildtierfotografie ein No-Go sein.

Ich finde, dass kannst du mit Spatzen zum Winter im Garten machen und das geschieht im Zoo, aber in der freien Natur ist das weder in Ordnung noch schlau. Gleich ob der Fischadler, der Fuchs oder der Wolf.

Wenn du beginnst ein Beutegreifer/Raubtier zu füttern, verlieren sie ihre natürliche Scheu vor dem Menschen. Das sollten wir zwingend verhindern.

Zum anderen bringst du dem Tier bei, dass es für sein Essen nicht mehr jagen muss, sondern es so bekommt. Doch wenn du dein Foto hast, bekommt das Tier sicher kein Essen mehr von dir. Und was ist dann? Daher, vor allem für das Tier: Niemals füttern.

Es gibt Wildlife-Fotografen, die schon die höchsten Preise für Ihre Bilder gewonnen haben, die mit ordentlich Fleisch aus der Tiefkühltruhe zu ihrem Foto-Sitzplatz fahren. Ich habe dafür kein Verständnis.

Wenn es um die Natur, das Erlebnis und die Begegnung geht, sollte man davon Abstand nehmen. Denn mit Natur, also Natürlichkeit, hat das nichts zu tun.

5. Stelle das Tier und die Natur immer über das Foto.

Ja ich weiß, es ist viel Geduld und viel Zeit erforderlich. Wir werden enttäuscht und demotiviert, wenn wir wochenlang keine Sichtung haben und damit auch kein Foto. Doch die Natur sollte immer über dem Foto stehen.

Stelle dein Ego zurück. Laufe flüchtenden Tieren nicht hinterher um dein Foto zu bekommen. Du bekommst dann eh nur ein Foto von flüchtenden Tieren. Du hast einen Bau gefunden? Super, aber halte Abstand zum gefundenen Bau.

 Respektiere das “Wohnzimmer” der Tiere als absolute Privatsphäre!

Hirschbock fotografiert im September 2021

Wie gehe ich als Fotograf in der Natur vor?

Nach dem Verhalten gehen wir nun über zur Tarnung. In den letzten Jahren konnte ich feststellen, dass Tiere hier unterschiedlich reagieren. Während Rehe und Hasen dich oft als Spaziergänger akzeptieren und nicht sofort weglaufen, hast du bei Fuchs oder Wolf natürlich keine Chance. Grundsätzlich ist trotzdem eine Tarnung sehr sinnvoll.

1. Tarnung Optik

Du kannst in Neon gelben Regenjacke durch die Natur gehen. Dann wirst du aber nicht sonderlich viele Tiere sehen. Wenn möglich, passe dich der Natur an. Das geht auf verschiedene Weisen. Tarnzelt, Tarnüberwurf, oder einfach der Umgebung angepasste Kleidung tragen. Ich mache zumeist Letzteres.

So bin ich in meinem Bewegungen flexibel und trotzdem nicht sofort erkennbar. Wenn ich mich irgendwo auf die Lauer lege, nutze ich noch Tarnnetze für Gesicht und Kamera.

2. Tarnung Geruch

Ja, sehr wichtig. Vor dem Gang in die Natur Duschen, Parfüm drauf und frische Kleidung anziehen? Besser nicht. Die Kleidung am besten nur in der Natur anziehen, nur waschen wenn wirklich notwendig.

Keine Deos, kein Parfüm, Cremes oder ähnliches. Den selbst ohne diese ganzen Düfte, riechen die Tiere dich. Daher gilt außerdem, auf die Windrichtung achten. Positionierte dich wenn immer möglich so, das der Wind vom Tier zu dir geht, nicht andersrum.

3. unauffällig sein.

Hatten wir bereits im Verhalten unter Punkt eine. Ruhig, vorsichtig, langsam. So bist du unauffällig und hast eher die Chance, das Tiere dich nicht bzw. erst spät wahrnehmen. Was eher schlecht ist: Husten, Niesen, singen, mit Papier oder der Jacke Knistern und so weiter. Sollte aber eigentlich klar sein.

Verhalte dich ruhig, langsam und vorsichtig.

Mögliche Gefahren für den Fotografen.

1. Der Jäger.

Eine Begegnung hatte ich bisher mit einem Jäger. Alles was ich nun schreibe ist meine Erfahrung. Das muss nicht grundsätzlich so sein.

Meine Erfahrung mit dem Jäger war folgende: Im Sommer 2020 hatte ich im Rapsfeld, mit Erlaubnis des Landwirts, Füchse fotografiert. 14 Tage war ich hier unterwegs und an einem der letzten Tage fuhr ein Wagen vor als ich gerade gehen wollte. Darin, der Jäger. Seinem Vater, dem Förster, war ich bereits einige Tage zuvor begegnet.

Der Jäger fragte mich, was ich hier mache. Ich beantwortet dies relativ wahrheitsgemäß. Ich wollte dem Jäger nicht direkt zeigen, wo er Füchse erlegen kann. Also sagte ich nur, ich fotografiere.

Wir kamen mehr und mehr ins Gespräch und ich fragte ihn, inwieweit es für mich gefährlich ist, hier im Rapsfeld zu liegen und Tiere zu fotografieren. Er erklärte mir, dass die Gefahr relativ gering ist, da der Jäger einen sicheren Kugelfang sicherstellen muss. Das bedeutet, dass der Schuss nach dem Treffen des Tieres gezielt z.b. in den Boden geht. Er sagte aber auch, eine 100% Garantie für mich gäbe es nicht.

Aber er sähe ja, wenn mein Auto hier steht. Also es war eine Begegnung, die freundlich war, aber nicht auf Augenhöhe war. Denn einen Satz sagte er auch: “Wenn es hart auf hart kommt, bin ich als Jäger wohl wichtiger als der Fotograf”. Das will ich jetzt nicht bewerten, ich wollte es nur wiedergeben.

Fazit für mich: Wenn ich als Fotograf in der Natur unterwegs bin und auf eine gute Tarnung achte, muss mir immer bewusst sein, dass der Jäger eine Gefahr für mich sein könnte. Denn woher weiß ich, dass dieser nicht auch auf eine Bewegung im Gebüsch mit seiner Waffe reagiert.

Wenn man dieser Gefahr aus dem Weg gehen möchte, muss man entweder immer mit dem zuständigen Jäger oder Förster vor dem Fotografieren das Gespräch suchen. Oder aber, man fotografiert nur von Wegen und nur am Tage und nicht in der Dämmerung. Dann ist die Gefahr sehr gering.

Ergänzung vom 05.08.2023: Jagdunfälle sind nicht mal so selten, wie man vielleicht denken mag. Mehr zu Jagdunfällen

2. Der Wolf.

Ich bin in Gebieten unterwegs, wo der Wolf nachgewiesen ist. Ich liege hier häufig gut getarnt in einem Gebüsch um zu beobachten und Tiere zu fotografieren. Hier besteht natürlich die “Gefahr”, dass der Wolf mal auftaucht.

Ist das ein komisches Gefühl? Hmm. Es ist ein spannendes Gefühl. Denn ich würde ja ausflippen, wenn sich ein Wolf zeigen würde. Doch die Wahrscheinlichkeit ist so gering, dass ich überhaupt (noch mal) einen Wolf sehen werde, dass die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung gen 0 tendiert.

Wir dürfen ja nicht vergessen, dass Tiere, vor allem Wölfe einen Geruchssinn haben, den wir uns nicht im Ansatz vorstellen können. Sollte ein Wolf nun also in meiner Nähe sein, wird er mich sehr wahrscheinlich riechen bevor ich überhaupt erahne, dass er in meiner Nähe ist. Und im Normal Falle wird es sich dann entfernen.

3. Die Zecke

Ich habe keine Phobie und gehe ohne Zecken Entfernungsmittel in die Natur. Ein Zeckenbiss tut nicht weh, was aber auch genau daher zum Problem werden kann. Denn, wenn ein Zeckenbiss unbemerkt bleibt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, das Krankheiten übertragen werden.

Daher: wenn du in der Natur unterwegs gewesen bist, überprüfe später deinen Körper auf Zecken. Ich mache das auch nicht immer und entdecke teilweise Zecken immer erst sehr spät.

Fazit

Wenn du all das berücksichtigst, was ich nun niedergeschrieben habe, wirst du sicher deinen Aufenthalt in der Natur genießen und hoffentlich das ein oder andere schöne Foto machen. Dabei wünsche ich dir viel Spaß!



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