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Fuchs fotografieren: Alles was du brauchst.
4.150 mal gesehen | Aktualisiert: 15. April 2024 | Stefan Gerlach | Blog | Naturfotografie

Fuchs fotografieren: Alles was du brauchst.



Die Meinung ist recht klar. Das beliebteste Motiv in der Wildlife-Fotografie sind wohl Fuchswelpen. Wie du dazu kommst, gute Fotos vom Fuchs zu machen und was du dazu alles brauchst, findest du in diesem Artikel.

Neben dem Eisvogel ist der Fuchs das beliebteste Fotomotiv für Naturfotografen und die, die es werden wollen. Den Fuchs zu fotografieren ist aber nicht so einfach, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist. Und das obwohl es Millionen Füchse in Deutschland gibt. Laut dem Wildtierschutz Deutschland werden jedes Jahr über 450.000 Füchse davon geschossen.

Mein kleiner Hinweis zum Thema Verhalten, Naturschutz und Co: Verhalten in der Naturfotografie

Vorbereitung

Wie immer in der Tierfotografie (auch beim Rehe fotografieren oder Hirsche fotografieren) gelten folgende Punkte, bevor du den Fuchs fotografieren gehst: Befasse dich mit dem Tier. Du musst den Fuchs kennenlernen um mehr über das Tier, dessen Verhaltensweisen und Standorte zu erfahren. 

Stelle dir also Fragen wie: Wo kommt der Fuchs vor? Wie lebt der Fuchs? Wann bekommt der Fuchs Nachwuchs? Wie alt wird der Fuchs? Und vieles mehr. Eine gute Anlaufstelle für den Beginn deiner Recherche ist hier: Alles über den Rotfuchs

Quelle: Screenshot Deutsche Wildtier-Stiftung

Wo finde ich den Fuchs?

Den Fuchs kannst du in Deutschland beinahe überall finden. Er lebt in Wäldern, Wiesen und Feldern ebenso wie auf Friedhöfen, oder in Gärten. Selbst in der Stadt kommt der Rotfuchs vor. Das bekannteste Beispiel sind sicherlich die Füchse in Berlin am Reichstag.

Um Füchse zu finden, solltest du dich am besten im Winter oder im Frühling auf den Weg machen. Je nachdem, ob du einfach einen Fuchs fotografieren möchtest, oder auf der Suche nach einem Bau bist, um hier im Frühjahr Fuchswelpen zu fotografieren, kannst du nun verschieden vorgehen.

Wenn du einfach den Fuchs fotografieren willst, kannst du im Winter aufgrund der lichten Bäume und Büsche viel mehr sehen und es erhöht die Chance direkt einen Fuchs zu finden. Vor allem im Schnee hast du auch die Möglichkeit den Spuren zu folgen. Wie die Fuchsspuren aussehen, konntest du bereits bei der Wildtier-Stiftung sehen.

Wenn du eher die Fuchswelpen fotografieren möchtest, kannst du dich im Frühling auf die Suche nach einem Bau begeben. Baue sind meist in Südrichtung angelegt und oft an Waldrändern, Hanglagen oder auch direkt in Feldern angelegt. Ob ein Bau befahren (also besetzt ist), kannst du an frischer Erde, Spuren und auch an Überresten vom Fressen der Füchse erkennen. Zudem riecht es an befahrenen Fuchsbauen recht streng. Mehr zum Thema Fuchsbau findest du weiter unten im Artikel.

Wo hält sich der Fuchs eigentlich tagsüber auf?

Der Fuchs zieht sich tagsüber nur zur Ranzzeit (Paarungszeit) in seinen Bau zurück, ansonsten verweilt er in schützender Deckung unter Büschen und Sträuchern oder er ist auf Suche nach Nahrung.
Seitliches Portrait

Den Fuchs fotografieren

Du hast einen Fuchsbau gefunden, oder weißt genau wo sich der Fuchs zu welchen Zeiten aufhält? Dann kannst du nun den Fuchs fotografieren. Wenn das nur so einfach wäre.

Was brauchst du dazu?

Ich empfehle dir auf jeden Fall etwas Tarnung. Auch wenn Füchse nicht sonderlich gut gucken, solltest du dich mindestens naturnah kleiden und eventuell dein Equipment und dein Gesicht tarnen. Denn auch andere Tiere könnten dich entdecken und dann wiederum alle anderen Tiere "warnen".

Jetzt kommt der Lieblingssatz von Naturfotografen, denn nun heißt es Geduld. Suche dir eine geeignete Stelle zum beobachten. Bedenke dabei natürlich die Windrichtung und sorge dafür, dass du hier etwas länger verweilen kannst. Wenn das alles gegeben ist, warte nun bis sich der Fuchs zeigt.

Besondere Rücksicht am Fuchsbau!

Am Fuchsbau zu fotografieren ist eh umstritten. Und das zu Recht. Wenn man sich hier nicht absolut still verhält, Abstand gewährt und auch sonst in keinster Weise auffällt, was wirklich schwer ist, dann stört man die Füchse. Das dies schlimme Folgen haben kann, muss ich nicht erklären. Daher: Wenn du Füchse am Bau fotografieren willst: ABSTAND! RUHE!

Welche Ausrüstung brauche ich?

Um ordentliche Bilder von Füchsen zu machen, benötigst du mindestens 300mm, am Fuchsbau mindestens 600mm (sonst kannst du den Abstand nicht gewähren).

Du benötigst ein Stativ, bei bodenahmen Aufnahmen eignet sich ein Bohnensack für die Fotografie und etwas Tarnung, wie oben schon erwähnt. Wie immer in der Tierfotografie: Leise sein, auf die Windrichtung achten und nicht direkt vorher mit Parfüm besprühen hilft auch.

Meine Geschichte mit dem Fuchs

Ich selbst habe natürlich auch schon das ein oder andere Mal Füchse fotografiert. Und meine Geschichte von damals zeigt, dass es nicht so einfach ist. Vor allem, wenn man noch sehr unerfahren ist.

12 Wochen lang bin ich eine Vielzahl an Kilometern gelaufen, habe verzweifelt nach dem Fuchsbau gesucht um Füchse, bzw. einen Jungfuchs in der Natur fotografieren zu können. Dabei habe ich Karten angefertigt, Dokufotos erstellt und auch das ein- oder andere Bild vom Fuchs machen können. Allerdings immer mit mindestens 40 Metern Entfernung.

Suche seit 2015 nach dem Fuchs

Begonnen habe ich mit der Suche nach dem Fuchsbau bereits 2015. Wochenlang war ich damals unterwegs und konnte den Fuchs und später den Fuchs mit Nachwuchs fotografieren. Leider aber immer nur aus weiter Entfernung, weshalb ich beschloss mich auf die Suche nach dem Fuchsbau zu begeben. Ich habe mich zu dieser Zeit sehr mit der Lebensweise und dem Verhalten von Füchsen auseinandergesetzt, trotzdem gelang es mir nicht, näher an die Tiere heranzukommen. Ich habe das ein oder andere Mal im Gras gelegen und gewartet. Und gewartet und gewartet. Eben immer vergebens. Und so kam ich 2015 immer nur zu Bildern, wie dem folgendem.

Weit weg, aber alle drauf. 2015

Und als ich in diesem Jahr wieder begann Tiere in der Natur zu fotografieren, lief es ganz genauso ab. Eine komplette Kopie sozusagen. Ich sah den Fuchs im gleichen NSG wie damals ging immer mal wieder da hin und nix. Ich sah ihn von Weitem, mehr nicht. Ich lief wieder Kilometer um Kilometer, hatte wirklich große Teile des NSG "erforscht" (natürlich immer im Rahmen des Erlaubten) und konnte nicht näher ran, geschweige denn einen Fuchsbau finden. So entschloss ich mich, schon aus dem Grund, dass es für Jungfüchse langsam auch zu spät wurde, die Suche einzustellen und schaute nur hin und wieder mal über die Wiesen des NSG. Ich konzentrierte mich seit dem mehr auf den Biber und den Eisvogel.

Wie der Zufall es so will.

Eines Nachmittags machte ich mich mit meiner Tochter auf den Weg zum Rapsfeld um hier Insekten zu fotografieren. Wir saßen/hockten also beide in der Treckerspur im Rapsfeld und machten unsere Fotos als ich plötzlich weit hinten in der Treckerspur Bewegungen wahrnahm. Da ich kein Fernglas besitze, schaute ich durch den Sucher meiner Kamera und sah einen Hintern.

Jungfuchs Hinteransicht 05/2020

Kurz danach sah ich ein Gesicht und dann noch eins. Ich begab mich ganz langsam und vorsichtig zum nahe geparkten Auto und rief meine Tochter zu mir. Ich erzählte ihr, dass ich gerade Jungfüchse gesehen habe und mich nun mit Tarnung in die Spur im Rapsfeld legen würde um zu warten ob sie noch mal wieder kommen.

Und plötzlich stand da dieser Jungfuchs und schaut mich an.

Gesagt, getan. Ich begab mich also ca. 10 Meter vor die Position wo die Füchse "spielten" und legte mich hin. Ca. 10 Minuten musste ich nur warten, da kam einer der kleinen wieder aus dem Rapsfeld auf die Spur und erkundete die Gegend. Ich zitterte, mein Puls wurde sehr schnell und ich glaube ich habe mal wieder vergessen zu atmen...

Ich machte mein erstes Foto, ein zweites, ein drittes. Der Fuchs war weg. Ich nutze die Gelegenheit kurz auf mein Display zu schauen. Ein unscharfes Bild, eines mit dem Fuchs von der Seite und eines von der anderen Seite.. Und als ich gerade denken wollte, das kann nicht wahr sein, war er wieder da und schaut mich an. Er kam langsam ein paar Schritte auf mich zu, ein, zwei Fotos und dann war der ganze Zauber schon wieder vorbei, der Jungfuchs war wieder im Raps verschwunden.

Jungfuchs im Rapsfeld kommt auf mich zu 05/2020

Zufall oder Glück des Tüchtigen? Mir ist es egal. Für die meisten ist dies vielleicht nur ein Foto unter vielen vorhandenen Jungfuchs-Bildern. Für mich ist das nachstehende Foto schon jetzt mein Bild des Jahres, weil ich so viel damit verbinde. Zeit, Aufwand, Enttäuschungen und dann das große Glücksgefühl. Unbeschreiblich.

Erst 3 Jahre später wieder ein Fuchs

Über 3 Jahre hat es gedauert bis ich endlich wieder einen Fuchs vor die Kamera bekommen habe. Der Fuchs war auf der Suche nach Nahrung (erfolgreich) und auf einem Feldweg unterwegs. Als ich ihn bemerkte, habe ich mich hingehockt, die große Kamera vor das Gesicht gehalten und habe gewartet. Gewartet bis das Tier auf mich zukommt. Und es kam so.

Er war zu Beginn ca. 200 Meter entfernt und kam bis auf ca. 30 Meter ran, dann bemerkte er mich, setzte sich noch kurz für dieses schöne Portrait und verschwand entspannt im angrenzenden Maisfeld.

Bevor er verschwand, durfte ich noch ein Portraitbild machen
Am Rande eines Feldes sind die Chancen ein Reh oder ein Fuchs zu beobachten oder auch fotografieren zu können sehr hoch. Hier hat das Tier die Deckung direkt in der Nähe und kann bei drohender Gefahr im Feld verschwinden.

Häufige Fragen

Wo kann man Füchse fotografieren?

Füchse tauchen in der freien Natur beinahe überall auf. Du kannst Füchse im Stadtpark, im Dorf, auf Feldern oder im Wald fotografieren. Je nachdem wo du wohnst, würde ich in diesen Gebieten nach den Füchsen Ausschau halten.

Das Habitat des Fuchses: Feldrand, Maisfeld, Feldweg

Fuchswelpen fotografieren

Ein (zurecht) umstrittenes und sensibles Thema. Füchse zu fotografieren ist das Eine. Fuchswelpen fotografieren, das Andere. Diese niedlichen kleinen Tiere mal vor der Kamera haben, das wünschen sich viele. 

Um Fuchwelpen fotografieren zu können, musst du zuerst einen Fuchsbau finden. 

Wie finde ich einen Fuchsbau?

Füchse graben ihre Baue oft an sandigen Stellen, weil es da leichter ist zu buddeln. Am hellen Sand kannst du einen Fuchsbau meist schon von weitem erkennen. Teilweise nutzen Füchse auch den Bau eines Dachses oder andere, bereits vorhandene Möglichkeiten.

Füchsin (Fähe) und Fuchs (Rüde) gemeinsam am Fuchsbau
Füchsin (Fähe) und Fuchs (Rüde) gemeinsam am Fuchsbau, der Fuchsbau ist gut zu erkennen am frischen Sand

 

 

Ist es in Ordnung Fuchwelpen am Bau zu fotografieren?

Ja und nein. Es kommt darauf an. Wenn du vorsichtig und mit Respekt an die Sache herangehst, dann ist es meiner Meinung nach in Ordnung. Wir müssen uns halt immer die Frage stellen, wo ist die Grenze. Wenn man es ganz eng sehen würde, ist jegliche Art der Wildlife-Fotografie ein stören der Tiere. Dann können wir unsere Sachen einpacken.

Dann ist es aber der Spaziergang oft auch.

Ich glaube, wenn ich mit Respekt an die Sache herangehe, kann ich mit genügend Abstand vom Bau. wirklich schöner Bilder machen, ohne direkt am Bau rumzulungern und die Tiere somit bei der Aufzucht zu stören.

Ich gehe hier wie folgt vor:

Habe ich einen Fuchsbau gefunden, beobachte ich Ihn tagelang aus hunderten Metern Entfernung. Das hat gleich mehrere Vorteile:

  1. ich störe die Tiere nicht
  2. ich kann schauen, wo sich die Füchse bewegen
  3. ich erfahre zu welchen Zeiten die meiste Aktivität ist

Ich setze oder lege mich alle paar Tage immer mal wieder an und warte. Ein aktuelles Beispiel: Insgesamt sitze ich jetzt seit 5 Tagen und ca. 10 Stunden. Bisher habe ich zwei Mal den Fuchspapa (Rüden) und einmal die beiden Eltern gesehen. Einmal sogar kurz einen kleinen Nachwuchs aus dem Gras blicken.

Füchsin (Fähe) mit Fuchwelpen am Bau
Füchsin (Fähe) mit Fuchwelpen am Bau (Entfernung zum Bau ca. 120m)

 

Und dann?

Wenn ich weiß, wo und zu welchen Zeiten die Füchse unterwegs sind, suche ich mir einen guten Standort um am Bau zu fotografieren.

Nochmal, wichtig: Am Bau bedeutet nicht, drei Meter davor. Halte genug Abstand zum Bau. Bai 600mm und ca. 30 Meter Entfernung hast du immer noch sehr gute Portraitfotos. Etwas croppen und du hast Nahaufnahmen.

Grundsätzlich gilt: Um so weiter entfernt, desto besser. Tiere haben es eh schon schwer (sie können nicht einfach zum Supermarkt), daher müssen wir als Fotografen nicht noch die Jagd nach Fressen oder Aufzucht erschweren.

Jetzt heißt es wieder mal Gedult und Durchhaltevermögen beweisen. Denn auf Anhieb wird das oft nichts. Gut tarnen, auf den Wind achten und die leise verhalten.

 

Woran erkenne ich ob ein Fuchsbau bewohnt ist?

Ob ein Fuchsbau bewohnt (auch befahren genannt) ist, kannst du an frischen Spuren erkennen. Ein bewohnter Fuchsbau hat vor dem Eingang (oder den Eingängen) frische Abdrücke und frischen Sand.

Fuchsbau mit frischen Spuren und frischem Sand
Fuchsbau mit frischen Spuren und frischem Sand

Fazit: Den Fuchs fotografieren

Wenn du dich nun auf den Weg machst um den Fuchs zu fotografieren, freue ich mich. Denn dann hat mein Artikel scheinbar dazu beigetragen. Und mehr Zeit in der Natur zu verbringen ist Gesund und hilft uns mal wieder Abstand zum Alltag zu gewinnen. Ich wünsche dir viel Spaß und natürlich gute Fotos vom Fuchs.

Denke aber immer dran: Natur vor Foto.

Hier findest du noch Artikel zu den Themen:
Hasen fotografieren, Eisvogel fotografieren



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