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Tierfotografie: Tipps & Tricks für bessere Tierfotos
1.484 mal gesehen | Aktualisiert: 24. April 2024 | Stefan Gerlach | Blog | Naturfotografie

Tierfotografie: Tipps & Tricks für bessere Tierfotos



Du möchtest mit der Tierfotografie starten und suchst nach Inspiration und Tipps um Tiere bestmöglich zu fotografieren? Schön, dass du hier bist. Hier erfährst du alles über die Tierfotografie direkt vom Wildtier-Fotografen.

Bevor wir in die Tipps einsteigen, damit du weißt, wie du Tiere fotografieren kannst, lass mich vorher noch ein Wort zur Naturfotografie verlieren. Wenn es bei dir um das Fotografieren von wilden Tieren in der Natur geht, nimm dir bitte meinen folgenden Artikel zu Herzen: Informationen für Naturfotografen

 

Hirsche fotografieren im Herbst zur Rotwildbrunft.
Hirsche fotografieren im Herbst zur Rotwildbrunft

 

Gedanken vor der Fotografie von Tieren

Warum möchtest du die Tierfotografie betreiben? Finde deinen Grund zur Fotografie von (freilebenden) Tieren. Nur mit deinem Grund kannst du gezielt an die Sache ran gehen. Bei mir war es beispielsweise das Interesse an den Tieren aber vor allem auch die Ruhe, die Natur und die Zeit.

Eine Art der Meditation. Alleine in der Natur nur mit den Gerüchen, Geräuschen und meiner Kamera. Finde deinen Grund. Wenn dein Grund das geilste Foto ist, dann musst du dich (neben dem fachlichen) auch sehr um die Technik kümmern, willst du einfach raus und schöne Bilder machen so wie ich, dann reicht einfaches Equipment aus.

Vielleicht bist du einfach gerne mit Tieren zusammen, in der Fotografie aber noch ganz am Anfang. Wo stehst du? Was willst du? Wenn dir klar ist warum du diese Art der Fotografie betreiben möchtest, kommen wir zum nächsten Punkt.

 

Welche Arten der Tierfotografie gibt es?

Schauen wir uns zuerst an, welche Arten der Tierfotografie es gibt. Denn es gibt weit mehr als nur die eine "Tierfotografie". 

Hinweis: Als Natur- und Wildlife-Fotograf bin ich draußen. Bei mir geht es um die Fotografie freilebender Tiere in der Natur. Für diesen Beitrag ist es aber notwendig das ganz Spektrum der Tierfotografie zu behandeln. Dabei geht es auch um Haustier-Fotos, sowie das Fotografieren in Zoos und Tierparks.

 

Reh beim Spazieren gehen auf einer Wiese
Reh beim Spazieren fotografieren - auf einer Wiese

Wildlife-Fotografie, auch Wildtierfotografie

Diese Art der Tierfotografie konzentriert sich auf wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung. Wildlife-Fotografen reisen oft in entlegene Gebiete, um seltene oder bedrohte Arten zu dokumentieren. Diese Art der Fotografie erfordert oft Geduld, Ausdauer und ein gutes Verständnis des Verhaltens der Tiere, um die besten Aufnahmen zu erhalten.

Unterwasserfotografie
Diese spezialisierte Form der Tierfotografie beinhaltet das Fotografieren von Tieren unter Wasser, wie Fischen, Meeressäugern und Korallenriffen. Unterwasserfotografen verwenden spezielle Ausrüstung, um unter Wasser zu fotografieren, und müssen sich mit den Herausforderungen des Lichts, der Tiefe und der Bewegung im Wasser auseinandersetzen.
Makrofotografie
Bei der Makrofotografie werden extreme Nahaufnahmen von kleinen Tieren und Insekten gemacht. Diese Art der Fotografie erfordert spezielle Makroobjektive, um kleine Details einzufangen, und oft auch eine ruhige Hand, da die Schärfentiefe sehr gering sein kann.
Vogelfotografie
Hierbei werden Vögel in verschiedenen Umgebungen und Verhaltensweisen fotografiert. Vogelfotografen nutzen oft Teleobjektive, um Vögel aus der Ferne zu fotografieren, ohne sie zu stören, und verbringen viel Zeit damit, geeignete Positionen und Lichtverhältnisse zu finden.
Tierschutzfotografie
Diese Art der Tierfotografie konzentriert sich darauf, die Bedürfnisse und Probleme von Tieren in Gefangenschaft oder in freier Wildbahn zu dokumentieren, um das Bewusstsein für Tierschutzfragen zu schärfen. Tierschutzfotografen können beispielsweise Missbrauchsfälle dokumentieren oder Aufnahmen von bedrohten Arten machen, um auf ihre Schutzbemühungen aufmerksam zu machen.

 

 

Tierfotografie Seeadler im Flug
"Glück" des tüchtigen, Seeadler direkt über dem Fotografen

 

 

Was sind die Vorteile der Wildlife-Fotografie?

  1. Authentisches Verhalten: In der freien Wildbahn haben Tiere die Möglichkeit, sich natürlich zu verhalten, ohne von menschlichen Einflüssen beeinträchtigt zu werden. Dies ermöglicht es Fotografen, einzigartige und authentische Verhaltensweisen einzufangen.
  2. Herausforderung und Abenteuer: Die Wildlife-Fotografie erfordert oft Abenteuerlust und Geduld, um Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu finden und zu fotografieren. Die Suche nach wilden Tieren kann ein aufregendes Erlebnis sein und zu unvergesslichen Aufnahmen führen.
  3. Einzigartige Umgebungen: Wildlife-Fotografie bietet die Möglichkeit, Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu fotografieren. Dies ermöglicht vielfältige und beeindruckende Hintergründe für die Fotos.

 

Was sind die Nachteile der Wildlife-Fotografie?

  1. Unvorhersehbarkeit: Das Verhalten wilder Tiere ist oft unvorhersehbar, was bedeutet, dass Fotografen oft lange warten müssen, um das gewünschte Bild zu bekommen. Es kann schwierig sein, die richtigen Tiere zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu finden.
  2. Zugänglichkeit: Wilde Tiere können schwer zu erreichen sein, da sie oft in entlegenen oder schwer zugänglichen Gebieten leben. Dies kann die Logistik und die Kosten für die Wildlife-Fotografie erhöhen.
  3. Sicherheitsrisiken: Das Fotografieren von wilden Tieren birgt auch potenzielle Risiken für die Sicherheit des Fotografen, insbesondere wenn es sich um Raubtiere handelt. Fotografen müssen vorsichtig sein und sicherstellen, dass sie die Tiere nicht stören oder gefährden.

 

Passend: Für die, die sich intensiver mit dem Thema der Wildtierfotografie befassen möchten, hier noch einige hilfreiche Artikel: Fuchs fotografieren, Rehe fotografieren, Feldhasen fotografieren, Hirsche fotografieren.
 
Foto einer Hauskatze, Haustierfotografie
Foto von JACLOU-DL, Pixabay

 

Haustierfotografie

Haustiere wie Hunde, Katzen, Vögel und andere Haustiere. Diese Art der Fotografie kann in einem Studio oder im Freien durchgeführt werden und erfordert die Fähigkeit, mit den Tieren zu interagieren, um ihre Persönlichkeit einzufangen.

 

Was sind die Vorteile der Haustierfotografie?

  1. Vertraute Umgebung: Haustierfotografie findet oft in der vertrauten Umgebung des Haustiers statt. Dies kann dazu beitragen, dass sich das Tier entspannt und "natürliche" Verhaltensweisen zeigt.
  2. Kontrolle über das Umfeld: Fotografen haben mehr Kontrolle über das Umfeld bei der Haustierfotografie, was bedeutet, dass sie das Licht, den Hintergrund und andere Faktoren besser steuern können.
  3. Interaktion mit dem Tier: Bei der Haustierfotografie können Fotografen mit dem Tier interagieren, um die Persönlichkeit einzufangen. Dies kann zu lebendigen und ausdrucksstarken Portraits führen.

 

Was sind die Nachteile der Haustierfotografie?

  1. Begrenzte Vielfalt: Im Vergleich zur Wildlife-Fotografie ist die Vielfalt der Tierarten bei der Haustierfotografie begrenzt. 
  2. Abhängigkeit von der Zusammenarbeit des Tieres: Nicht alle Haustiere sind gleichermaßen kooperativ, was zu Herausforderungen führen kann.
  3. Begrenzte Umgebung: Haustierfotografie findet oft zu Hause statt, was bedeutet, dass die Hintergründe und Kulissen möglicherweise nicht so vielfältig sind wie in der freien Natur.

 

Foto vom Waschbär, Tierparkfotografie
Foto von Alexas_Fotos, Pixabay

 

Tierparkfotografie

Tierparkfotografie ist eine spezifische Form der Tierfotografie, die sich auf das Fotografieren von Tieren in Tierparks, Zoos oder Wildgehegen konzentriert. In solchen Einrichtungen haben Fotografen die Möglichkeit, eine Vielzahl von Tierarten aus nächster Nähe zu fotografieren, ohne die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung aufsuchen zu müssen.

 

Was sind die Vorteile der Tierparkfotografie?

  1. Zugang zu einer Vielzahl von Tieren: Tierparks beherbergen oft eine große Anzahl an Tierarten aus verschiedenen Teilen der Welt. Fotografen haben die Möglichkeit, verschiedene Tiere zu fotografieren, von exotischen Großkatzen bis hin zu kleinen Primaten und Vögeln.

  2. Kontrollierte Umgebung: Im Gegensatz zur Wildlife-Fotografie ermöglichen Tierparks eine kontrollierte Umgebung, in der Fotografen das Licht, den Hintergrund und andere Bedingungen besser steuern können. Dies kann dazu beitragen, qualitativ hochwertige Aufnahmen zu erzielen.

  3. Nähe zu den Tieren: In Tierparks können Fotografen oft nahe genug an die Tiere herankommen, um Details und Ausdrücke einzufangen, die in freier Wildbahn oft schwer zu erreichen sind. 

 

Was sind die Nachteile der Tierparkfotografie?

  1. Künstliches Umfeld: Tierparkfotografie kann als weniger authentisch empfunden werden, da die Tiere in einer vom Menschen geschaffenen Umgebung fotografiert werden.
  2. Unnatürliches Verhalten: Tiere verhalten sich im Tierpark nicht wie in der freien Natur. Darum kann das Verhalten weder beobachtet, noch fotografiert werden.
  3. Regeln und Einschränkungen: Fotografen müssen die Regeln und Richtlinien des Tierparks respektieren, was ihre Flexibilität bei der Aufnahme einschränkt. Dies kann dazu führen, dass Fotografen nicht immer die gewünschten Bilder bekommen können.

 

 

Kleiber im Garten Fotografieren

Kleiber im Garten Fotografieren

Du hast dich entschieden Tiere in der Natur zu fotografieren? Doch wie anfangen?

Ich würde dir empfehlen, mit Tieren im eigenen Garten oder im Park anzufangen. Das hat mehrere Vorteile. Wenn du einen eigenen Garten hast, kannst du dir viel Zeit lassen, bist in der Regel unbeobachtet und kannst die Tiere in deinem Garten erstmal in Ruhe studieren.

 

Ganz gleich, ob du Käfer, Vögel oder auch Eichhörnchen im Garten hast, lerne sie und ihr Verhalten kennen. Der Garten ist wirklich ein toller Start für die Tierfotografie.

 

Nicht ganz so unbeobachtet, aber auch reich an Tieren ist der Park. Hier kannst du dir auch anschauen, wie sich die Tiere so verhalten. Ob kleine Kaninchen, Drosseln oder Enten im Park hast du vielfältige Möglichkeiten Tiere zu finden.

 

Beide Varianten vereinen eins: Du musst nicht lange suchen. Das erleichtert dir den Einstieg in die Tierfotografie!

 

Was muss man bei der Tierfotografie beachten?

Für alle Varianten der Tierfotografie gilt: Das Tier steht an erster Stelle. Stelle niemals das Foto über das Wohl der Tiere. Ganz gleich ob Haustier, Tiere im Zoo oder in der Natur.

Lege dich auf ein Tier fest

Wenn du zu Anfang gleich alle Tierarten fotografieren willst, dann kann ich dir sagen: Das wird nichts. Du wirst von Ort zu Ort fahren, aus der Ferne ein paar Bilder bekommen und am Ende enttäuscht sein. Fange mit einem Tier an und befasse dich mit diesem sehr ausführlich. 

Studiere das Tier und sein Verhalten

Du solltest beachten, dass Tiere ihren eigenen Kopf haben und es nicht unbedingt so läuft, wie du dir das vorstellst. Daher gilt, vor allem für die Wildtierfotografie, studiere die Tiere, die du fotografieren möchtest.

Lerne das Tier und sein Verhalten kennen. Wo lebt es? Wie verhält es sich in welchen Situation, was frisst es und wann? Wo finde ich es am Tag? Ist es eigentlich tag- oder nachtaktiv? Wie kann ich die Spuren erkennen? Und vieles mehr.

 

 

Was brauche ich für eine Ausrüstung in der Tierfotografie?

Das hängt davon ab, für was du dich oben entschieden hast. Möchtest du das beste Foto machen und die Tiere möglichst nah aufnehmen, rate ich dir eine große Telelinse zu kaufen. Ich habe mir damals das Tamron 150-600 gekauft.

In der Haustierfotografie ist eine so lange Brennweite nicht erforderlich, da du hier sehr nah an die Tiere herankommst. Hier reicht sicherlich eine Brennweite von 70-200mm. Für Detailaufnahmen ist aber mehr eben wirklich - mehr.

Mit dem 150-600er Objektiv kommst du sehr nah an deine Objekte ran, ohne den Tieren zu sehr auf die Pelle zu rücken. Die Linse macht (in meinen Augen) super schöne Bilder und hat auch ein sauberes Bokeh wie ich finde. Hier mal ein Beispielbild von damals. Bei diesem Foto war ich echt weit entfernt. Und trotzdem wurde es scharf, klar und in meinen Augen ein tolles Foto.

Neuntöter im Abendlicht fotografiert

Willst du hingegen einfach nur raus und hin und wieder ein schickes Bild mit nach Hause bringen reicht vielleicht auch ein 70-200er Objektiv oder das Sigma 70-300. In meinen Augen ein Geheimtipp. Es kommt natürlich nicht an das 150-600 ran, geschweige denn an die Linsen von Canon, aber für den schmalen Geldbeutel und einige gute Bilder reicht es.

Gut macht es sich vor allem, wenn du nah an die Objekte ran kommst und im Makrobereich. Das Bild mit dem Eichhörnchen ist mit diesem Objektiv gemacht. Und das Folgende Im Makromodus.

Eidechse im Garten mit 300mm Makro fotografiert

Was du in jedem Fall an Equipment haben solltest ist ein Stativ. Gleich bei welchem Objektiv. Denn ein Tele sollte es schon sein und dabei wirst du schwer aus der Hand fotografieren können.

Stativ: Bei der Haustierfotografie und einer Brennweite von 70-200mm gilt das Folgende nicht, hier kannst du locker aus der Hand fotografieren.

Was die großen Linsen angeht, rate ich zu einem Stativ. Es ist zwar ohne machbar, aber die Ergebnisse mit einem Stativ werden schärfer sein. Ich habe mir dafür damals ein Einbeinstativ gekauft. Das hat mir gereicht um die Kamera zu stabilisieren. Damit ist die grundlegende Technik abgeschlossen. Ich fasse noch einmal zusammen:

  • Kamera (nicht erwähnt, sollte aber klar sein)
  • Teleobjektiv mindestens 200mm (für Haustiere ab 70mm) 
  • stabiles Stativ mindestens ein Einbein oder Bohnensack

 

 

So kannst du vorgehen.

Die Technik ist aber der kleinste, beinahe unwichtigste Teil für die Tierfotografie. Viel wichtiger sind die Punkte Vorbereitung, Planung, Ausführung. Ich bin damals am Anfang einfach blind drauf los gelaufen und habe versucht die kleinen Vögel in den Büschen zu fotografieren. Dabei habe ich sehr viel gelernt, aber kein gutes Foto gemacht.

Ich würde dir raten, wenn nicht schon geschehen, gehe raus und schaue wo du welche Tiere siehst. Merke dir auch wann sie dort sind. Gehe immer wieder zum gleichen Ort und beobachte. Um so genauer du beobachtest, desto mehr weißt du über das Tier. Wann kommt es, gibt es da ein Muster? Wie bewegt es sich, wo steht/sitzt es häufig, gibt es hier ein Muster? Was wäre meine beste Position? Ohne das ich das Tier verschrecke.

Diese Fragen solltest du beantworten können, bevor du dich mit deiner Kamera auf die Lauer legst/setzt.

Wenn du gut planst und vorher das Tier studierst und beobachtest, hast du die größte Aussicht auf Erfolg. Dann macht man auch mal tolle Fotos nebenbei, sogenannte "Glücksfotos". Denn wenn du in der Natur unterwegs bist, wieder und wieder, dann wirst du mehr Tiere entdecken und so steigt natürlich auch die Chance andere Tiere "nebenbei" zu fotografieren.

 

Das wichtigste zum Schluss: Geduld.

Der allerwichtigste Punkt kommt nun: Geduld, Geduld und Geduld. Ja, das ist das was du am meisten brauchst, jeder Naturfotograf wird dir das bestätigen. Es gibt Tage an denen du dich in das Schilf hockst um den Neuntöter zu fotografieren und du wartest. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden oder länger.

Sofern du die Geduld dafür aufbringen kannst. Wenn er dann aber kommt, machst du einzigartige Bilder und hast eine tolle Erinnerung. Ich habe diese Zeit genutzt. Für mich. Einfach da sitzen. Warten und die Ruhe genießen. Also, wenn du Geduld hast, gehe raus in die Natur und fotografiere! Ich wünsche dir viel Spaß dabei.

Eichhörnchen auf einem Baum - 300mm


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